Bordeaux, Burgund oder Champagner: Wohin Sammler edler Weine jetzt schauen.

Seit Generationen nehmen Bordeaux, Burgund und Champagner in der Welt der edlen Weine sehr unterschiedliche Positionen ein. Bordeaux besticht durch seine Vielfalt, etablierte Château-Namen und einen umfangreichen Sekundärmarkt. Burgund zeichnet sich durch kleine Weinberge, renommierte Erzeuger und Exklusivität aus. Champagner vereint Prestige, Jahrgangscharakter und die unvermeidliche Verknappung des Angebots, die mit dem Öffnen und Genießen der Flaschen einhergeht.
Auch im Jahr 2026 ziehen alle drei Regionen noch immer ernsthafte Sammler an, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
Nach einigen schwierigen Jahren für den breiten Markt für hochwertige Weine deuten aktuelle Daten auf eine Stabilisierung der Preise hin. Die neuesten Zahlen von Liv-ex zeigen für den breiten Fine Wine 1000 Index ein leicht positives Ergebnis für das Jahr bis Ende Juli, während Burgund und Champagne ebenfalls moderate Zuwächse im Jahresvergleich verzeichneten. Bordeaux präsentiert sich weiterhin uneinheitlich, obwohl Anzeichen für ein erneutes Interesse an bestimmten Jahrgängen und gereiften Weinen erkennbar sind.
Wo suchen Sammler also jetzt?
Bordeaux: Tiefe, Reife und erneutes Interesse
Bordeaux bleibt in den Augen vieler Sammler die größte und etablierteste Region für edle Weine, doch der heutige Markt sieht ganz anders aus als noch vor zehn Jahren.
Die Region dominiert den Handel mit Spitzenweinen nicht mehr in dem Maße wie früher. Käufer haben ihr Angebot diversifiziert und greifen nun auch auf Burgund, Champagne, Italien und andere Regionen zurück, während das reichliche Angebot an jüngeren Bordeaux-Weinen den Preisdruck zusätzlich erhöht.
Das bedeutet nicht, dass Bordeaux an Reiz verloren hat.
Eine der interessantesten Entwicklungen im Jahr 2026 war das erneute Interesse an gereiften und vergleichsweise preisgünstigen Jahrgängen. Der Marktkommentar von Liv-ex für das erste Halbjahr stellte fest, dass ältere Bordeaux-Weine an Stabilität gewonnen hatten, während sich die jüngsten Handelsaktivitäten auf etablierte Jahrgänge wie 2005, 2009 und 2015 konzentrierten.
Decanter berichtet von einem ähnlichen Trend. Sammler zeigen Interesse an gereiften, trinkfertigen Weinen, während jüngere Jahrgänge nach Preiskorrekturen an Attraktivität gewonnen haben. Die Subskriptionskampagne für den Jahrgang 2025 verzeichnete etwas mehr Aktivität als die zuvor schwierige Kampagne, obwohl die Käufer weiterhin sehr preissensibel agierten.
Für Sammler verleiht dies Bordeaux eine besondere Stärke: Auswahl.
Es gibt eine enorme Auswahl an etablierten Châteaux, Jahrgängen und Preiskategorien, von Premier Crus und begehrten Weingütern am rechten Ufer bis hin zu gereiften Weinen, die bereits ihren Trinkzeitpunkt erreichen.
Der Reiz liegt heute daher nicht mehr einfach nur darin, die neueste Veröffentlichung zu jagen. Er liegt vielmehr darin, Weine mit einer starken Herkunft, angesehenen Produzenten und Jahrgängen zu finden, bei denen die aktuelle Verfügbarkeit und Preisgestaltung Sinn ergeben.
Burgund: Knappheit lenkt den Fokus auf die besten Namen
Wenn es bei den Sammlern in Bordeaux teilweise um Tiefe geht, ist es bei Burgund fast das Gegenteil.
Die begehrtesten Weine Burgunds stammen von bemerkenswert kleinen Weinbergen und werden oft in Mengen produziert, die im Vergleich zu den großen Weingütern aus Bordeaux verschwindend gering sind. In Verbindung mit der weltweiten Anerkennung führender Weingüter wird so verständlich, warum die Knappheit einen so wichtigen Teil des Reizes dieser Region ausmacht.
Auch der Markt blieb von Korrekturen nicht verschont. Die Preise vieler Burgunderweine fielen nach den starken Anstiegen Anfang der 2020er Jahre, und Kommentatoren bezeichnen Teile des Marktes abseits der etabliertesten Produzenten weiterhin als fragil.
Im absoluten Spitzensegment des Marktes ist das Interesse von Sammlern jedoch weiterhin deutlich erkennbar.
Der Liv-ex Burgundy 150 stieg im Zeitraum bis Ende Juli 2026 um ca. 0,81 TP3T und über 12 Monate um 1,91 TP3T. Jüngste Handelskommentare von Liv-ex zeigen zudem, dass Burgund den größten Anteil am wöchentlichen Handelsvolumen ausmachte, wobei sich die Aktivitäten auf begehrte Erzeuger und bewährte Jahrgänge konzentrierten.
Weißburgunder ist ein weiterer wichtiger Bestandteil dieser Geschichte.
Laut einer von The Drinks Business auf Basis von Liv-ex-Daten veröffentlichten Studie wird Burgund im Jahr 2026 wertmäßig fast 701.030 Tonnen des Handels mit hochwertigen Weißweinen ausmachen. Die Nachfrage hat sich zunehmend über rote Burgunderweine hinaus ausgeweitet, obwohl der Markt nach wie vor stark auf einzelne Erzeuger fokussiert ist.
Dieser Unterschied ist wichtig.
Wer Burgunderweine nur deshalb kauft, weil sie aus Burgund stammen, übersieht die enormen Unterschiede zwischen Erzeugern, Weinbergen, Jahrgängen, Klassifizierungen und einzelnen Weinen. In einer so heterogenen Region können Herkunft und Reputation des Erzeugers besonders wichtig sein.
Für Sammler, die sich für Seltenheit, Terroir und einige der begehrtesten Namen im Bereich der Spitzenweine interessieren, bleibt Burgund daher schwer zu ignorieren – doch Selektivität ist unerlässlich.
Champagner: von der Korrektur zur Konsolidierung
Der Champagnermarkt hat einen der dramatischsten Zyklen auf dem Markt für edle Weine der letzten Jahre erlebt.
Prestige-Cuvées erfreuten sich Anfang des Jahrzehnts großer Beliebtheit, bevor die Preise auf dem Sekundärmarkt deutlich nachgaben. In jüngster Zeit hat sich die Lage jedoch merklich beruhigt.
Der Champagne 50 Index von Liv-ex stieg in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 um rund 1,61 TP3T und in den vorangegangenen zwölf Monaten um 2,61 TP3T. Anfang des Jahres beschrieben Marktbeobachter den Champagnermarkt als von einer Korrekturphase in eine Konsolidierungsphase übergegangen, wobei die Preise eine größere Stabilität als in den vergangenen Jahren aufwiesen.
Auch vonseiten der Sammler und Konsumenten gibt es ein neues Interesse am Markt.
Eine Reihe starker Jahrgänge aus den Jahren 2018, 2019 und 2020 erreicht nun die Sammler, wobei im Laufe des Jahres 2026 mehrere Prestige-Abfüllungen des Jahrgangs 2018 erscheinen werden.
Champagner besitzt zudem eine Eigenschaft, die ihn unter Sammlerweinen ungewöhnlich macht: Er wird ständig konsumiert.
Jede geöffnete Flasche verringert den verbleibenden Bestand des jeweiligen Jahrgangs und der Cuvée. Bei den edelsten Prestige-Champagnern gewinnen Herkunft, Lagerung, Jahrgangsqualität und der Ruf des Produzenten daher mit zunehmendem Alter der Vorräte immer mehr an Bedeutung.
Die gesamte Champagnerbranche sieht sich weiterhin schwierigen Marktbedingungen gegenüber, daher sollte dies nicht als ununterbrochene Erholung interpretiert werden. Auf dem Sekundärmarkt hingegen bietet die Kombination aus verbesserter Preisstabilität, international anerkannten Häusern und hochgeschätzten neuen Jahrgängen Sammlern mehr Auswahlmöglichkeiten.
Drei Regionen, drei ganz unterschiedliche Sammlergeschichten
Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, ob Bordeaux, Burgund oder Champagne die attraktivste Region für einen Sammler edler Weine ist.
Stattdessen bietet jeder von ihnen derzeit etwas anderes an.
- Bordeaux bietet eine breite Auswahl, gereifte Jahrgänge, etablierte Weltmarken und die Möglichkeit, aktuelle Jahrgänge mit umfangreichen Beständen älterer Jahrgänge zu vergleichen.
- Burgund Das Thema Knappheit bleibt bestehen, insbesondere bei Eliteproduzenten, einzelnen Weinbergen und den zunehmend begehrten Weißweinen.
- Sekt Verbindet Prestige und konsumgetriebene Knappheit mit einem Sekundärmarkt, der nach seiner jüngsten Korrektur anscheinend größere Stabilität findet.
Noch wichtiger ist jedoch, dass die neuesten Marktdaten die Bedeutung unterstreichen, über regionale Schlagzeilen hinauszublicken.
Der Ruf des Herstellers, die Qualität des Jahrgangs, die Herkunft, die Lagergeschichte, der Zustand und die Verfügbarkeit können wesentlich wichtiger sein als die einfache Wahl der Region, die in letzter Zeit die besten Ergebnisse erzielt hat.
Selektivität kehrt zurück zu edlen Weinen
Der vielleicht bedeutendste Trend im Jahr 2026 ist nicht die Dominanz einer Region über eine andere, sondern die Rückkehr zu einem selektiveren Markt.
Decanters jüngste Analyse des Marktes für Spitzenweine ergab eine weitgehende Stabilisierung der Preise bei gleichzeitig anhaltender Nachfrage nach seltenen und gereiften Weinen. Sotheby’s meldete zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts den Verkauf von 961.030 Tonnen der weltweit angebotenen Weine. Die Nachfrage reichte dabei von relativ erschwinglichen, gereiften Flaschen bis hin zu außergewöhnlich seltenen historischen Weinen.
Gleichzeitig zeigen die Daten von Liv-ex, dass sich die Käufer eher auf etablierte Produzenten und bewährte Jahrgänge konzentrieren, anstatt alle Marktsegmente gleichermaßen zu fördern.
Für Sammler mag das ein gesünderes Umfeld sein.
Bordeaux, Burgund und Champagner bewahren Eigenschaften, die sie seit Jahrzehnten zu zentralen Sammlerstücken edler Weine machen. Doch der heutige Markt legt größeren Wert darauf, genau zu verstehen, was erworben wird, woher es stammt und warum andere Sammler es weiterhin schätzen.
Die Preise für edle Weine können sowohl steigen als auch fallen, und die Marktentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Sorgfältige Auswahl, Herkunft und fachgerechte Lagerung sind daher beim Aufbau einer Weinsammlung von grundlegender Bedeutung.
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